Gruppenvertrag: Vorsicht Falle!
Warum Gruppenverträge zum "Buy & Hold" verleiten und warum "Abwarten und Tee trinken" beim PKV-Vertrag keine gute Idee ist
PKV-Gruppenverträge werden von Berufsverbänden für ihre Mitglieder (z. B. Ärzte, Apotheker) sowie von Unternehmen für ihre Mitarbeiter vereinbart und bieten Versicherungsnehmern mehrere Vorteile:
- Maßgeschneiderte Tarife
Gruppentarife können spezifisch auf die Bedürfnisse bestimmter Berufsgruppen zugeschnitten sein, was zu einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis führen kann.
- Erleichterte Gesundheitsprüfung
Bei Gruppenverträgen können Gesundheitsfragen entfallen oder zumindest vereinfacht werden. Das ermöglicht auch Personen mit Vorerkrankungen den Zugang zur PKV, was zu einer breiteren Versichertengemeinschaft führt und die Prämien stabiler halten kann.
- Günstigere Beiträge
Gruppenverträge bieten oft niedrigere Prämien im Vergleich zu Einzelverträgen. Dies liegt daran, dass Versicherer bei einer größeren Anzahl von Versicherten ein besseres Risiko-Management und eine höhere Planungssicherheit haben. Die Beiträge können zwischen 5% und 12% niedriger sein als bei vergleichbaren Einzelversicherungen.
- Familienrabatte
In vielen Gruppenverträgen gelten die günstigeren Konditionen auch für Familienangehörige der versicherten Mitglieder, was zusätzliche Einsparungen ermöglicht.
- Stabilere Beitragsentwicklung
Durch das günstigere Risikoprofil der Gruppe kann die Beitragsentwicklung langfristig stabiler sein, was bedeutet, dass weniger häufige und drastische Beitragsanpassungen nötig sind.
Bei genauer Betrachtung kann die erleichterte Gesundheitsprüfung auch ein Nachteil sein. Das kann in einigen Fällen sogar dazu führen, dass die Beitragsentwicklung außerhalb einer Gruppe besser ist.
Problematisch ist es jedenfalls, wenn der Versicherungsnehmer die Beitragsentwicklung seiner Tarife erst im Rentenalter hinterfragt. Dass bei Beitragserhöhungen oft keine sinnvollen und schon gar nicht die besten Alternativen angeboten werden (Vorschläge sind erst Ü60 Pflicht), verleitet zu Passivität.
> 4.000 € pro Jahr und 50.000 € in 10 Jahren durch Untätigkeit verbrannt
Unten ein besonders krasses Beispiel. Der Preisvorteil in der von uns angefragten Alternative beträgt 988,07 - 654,62 = 333,45 x 12 = 4.001,40 Euro pro Jahr. Dazu kommt noch ein geringerer Selbstbehalt.
Auf die letzten 10 Jahre reden wir von knapp 50.000 Euro*, die dieser gruppenversicherte Apotheker durch den früheren Wechsel in den Tarif unten rechts mit ähnlichem Leistungsumfang gespart hätte.
*Unter der vereinfachenden Annahme, dass das Preisdelta zwischen beiden Tarifen über 10 Jahre immer gleich groß war.
Grenzwertige Kommunikation der Allianz dank schwammigen Gesetzes
Sie denken, das kann doch nicht wahr sein? Bedenken Sie bitte, dass (nicht nur) die Allianz eine AG ist. Und die gesetzliche Vorgabe für alternative Angebote bei Beitragssteigerungen ist sehr schwammig:
Der Hinweis muss solche Tarife enthalten, die bei verständiger Würdigung der Interessen des Versicherungsnehmers für eine Umstufung besonders in Betracht kommen.
Aber: Dass die Allianz den Versicherungsnehmern in 700er-Tarifen nur andere 700er-Tarife und Ärzten den vergleichsweise schwachen 2820 und damit für Neukunden seit vielen Jahren geschlossene Tarife als "neuzugangsstärksten Tarif" vorschlägt, verstößt u. E. gegen die gesetzlichen Vorgaben.
Denn die Vorgabe gleichartiger Versicherungsschutz bedeutet weder ausschließlich identische Tarife, noch leistungsschwächere Tarife mit schlechterem Preis-Leistungsverhältnis. Es geht vielmehr darum, Alternativen aufzuzeigen, die ähnlichen Schutz zum günstigeren Preis bieten.
Im Allianz-Anschreiben zum Beitragsbescheid steht beschwichtigend:
96% der Kunden behalten nach einer Beitragsanpassung ihren Versicherungsschutz unverändert bei. Wenn ... Sie die umfangreichen Leistungen ... beibehalten möchten, sind keine weiteren Schritte nötig. ... Ein Wechsel in einen preisgünstigeren Tarif ist in der Regel mit geringeren Leistungen verbunden.
Bei allen PKVs preiswertere Alternativen für die viele Tarife verfügbar
Die Aussage "günstiger ist i. d. R. schlechter" ist offensichtlich irreführend, wie unser Beispiel zeigt: Jahresbeitrag minus 4.000 € UND Selbstbehalt gesenkt TROTZ vergleichbaren Leistungsumfangs!
Nach unserer Erfahrung scheinen sich speziell Ärzte und Apotheker aufgrund ihres Gruppenvertrages, in Kombination mit der einlullenden Kommunikation, in trügerischer Sicherheit zu wiegen und bitten uns meist viel zu spät, interne Alternativen zur Beitragssenkung OHNE Leistungsverzicht aufzuzeigen.
Buy and Hold mag bei Aktien eine gewinnbringende Strategie sein. Ihren PKV-Vertrag sollten Sie aber bei jeder Beitragserhöhung auf sinnvolle Alternativen checken lassen: Kostenfreie Ersteinschätzung










